Cube Nuroad C62 One 2026 Test – Der ausgewogene Gravel-Allrounder mit starkem Preis-Leistungs-Verhältnis

Das Cube Nuroad C62 One 2026 ist kein Bike, das mit spektakulären Superlativen um sich wirft. Und genau das ist vielleicht sein stärkstes Argument. In einer Zeit, in der viele Gravelbikes entweder in Richtung Race oder Bikepacking-Overkill gedrückt werden, positioniert sich dieses Modell erstaunlich konsequent als Allrounder – ohne dabei langweilig zu wirken.

Ich habe das Bike bewusst selbst gekauft. Ausschlaggebend waren für mich vor allem die Geometrie, die optische Wirkung des Rahmens und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das im Carbon-Gravel-Segment schwer zu ignorieren ist. Kein Marketing-Testbike, keine kurzfristige Probefahrt – sondern ein Rad, das sich direkt in meinen Alltag und meine typischen Strecken integrieren musste.

Mein Einsatzprofil ist dabei ziemlich klar umrissen: überwiegend sportliche Touren auf gut fahrbaren Feld- und Waldwegen, dazu ein ausgewogenes Verhältnis von Straße und Gravel (etwa 50/50) sowie gelegentliches Pendeln bei gutem Wetter. Kein Winterpendeln, kein extremes Gelände, sondern ein eher „ehrlicher“ Mix aus Geschwindigkeit, Komfort und Naturstrecken.

Vorher bin ich ein älteres Crossrad mit 35 mm Reifen und V-Bremsen gefahren. Der Sprung in diese Kategorie war also kein rein theoretischer, sondern ein sehr realer Schritt nach vorne – sowohl technisch als auch fahrdynamisch.


Rahmen, Geometrie und erster Eindruck

Schon beim ersten Aufsitzen war klar: Die Geometrie passt. Und zwar nicht im Sinne von „könnte funktionieren“, sondern im Sinne von „direkt stimmig“. Keine Anpassungen, kein Experimentieren mit Vorbauten oder Spacer-Orgien – einfach draufsetzen und fahren.

Die Rahmengeometrie ist bewusst als Allround-Konzept ausgelegt. Cube trennt hier noch nicht strikt zwischen Race-orientierten und Bikepacking-lastigen Gravelbikes. Stattdessen bekommt man eine ausgeglichene Plattform, die beide Welten zumindest teilweise abdecken soll.

Was dabei auffällt: Die Balance zwischen Sportlichkeit und Komfort ist sehr gut getroffen. Mit einer Überhöhung von etwa 10 cm ergibt sich eine sportliche, aber nicht aggressive Sitzposition. Der Reach ist moderat, die Front bleibt kontrollierbar, ohne dass man sich „gestreckt“ fühlt. Gerade auf längeren Touren macht sich das positiv bemerkbar.

Ich fahre das Setup mit allen Spacern (insgesamt etwa 2 cm), was für mich eine gute Lösung für längere Distanzen wie Brevets oder lange Trainingsfahrten darstellt. Interessant ist dabei, dass die Plattform flexibel bleibt: Für schnellere Gravel- oder sportlichere Einsätze ließen sich die Spacer problemlos reduzieren, ohne dass das Bike seinen Charakter verliert.

Cube Nuroad C62 One 2026

Das Heck liefert dabei einen großen Anteil am Komfortgefühl. Der lange Sattelstützenauszug arbeitet spürbar, unterstützt durch einen angenehm flexenden Sattel. Tatsächlich war ursprünglich geplant, diesen zu tauschen – geblieben ist er aber genau wegen dieses überraschend guten Komforts.

Auch die Front wirkt ausgewogen. Kein Nervositätsgefühl, kein „Übersteuern“ in schnellen Passagen. Stattdessen ein ruhiges, kontrolliertes Gesamtbild.

Im direkten Vergleich zu meinem alten Crossrad ist der Unterschied deutlich: Mehr Komfort, mehr Kontrolle auf Schotter und gleichzeitig kein Verlust an Effizienz auf Asphalt. Vor allem die Kombination aus Reifenbreite und Rahmenflex macht sich hier bemerkbar.


Design und Verarbeitung

Optisch spielt das Bike für mich in einer sehr angenehmen Liga. Die Farbe aloegreen’n’black wirkt im realen Licht deutlich edler als auf vielen Produktbildern. Sie ist bewusst zurückhaltend, aber nicht langweilig. Schwarz allein wäre mir persönlich zu austauschbar gewesen – hier bekommt das Bike eine eigene Identität, ohne laut zu wirken.

Besonders gelungen finde ich die Rahmenform. Das flache Oberrohr mit seinem sauberen Übergang zur Sattelstütze wirkt modern und gleichzeitig funktional. Die integrierte Abdeckung der Sattelklemme rundet diesen Bereich sauber ab und vermeidet optische Brüche.

Cube Nuroad C62 One 2026

Insgesamt wirkt das Bike nicht überdesignt. Es gibt ausreichend Montagepunkte, aber keine visuelle Überladung. Schutzblech- und Gepäckträgeroptionen sind vorhanden, ebenso Lowrider-Aufnahmen an der Gabel. Letzteres empfinde ich sogar als Vorteil gegenüber leichtgewichtigen „Anycage“-Lösungen: Wenn schon Taschen an der Gabel, dann richtig nutzbar und stabil.

Auch die Integration der Leitungen ist optisch gut gelöst. Allerdings zeigt sich hier auch ein erster praktischer Kritikpunkt, auf den ich später noch eingehe.

Die Verarbeitung selbst ist durchweg solide. Keine groben Auffälligkeiten, keine unsauber wirkenden Übergänge. Insgesamt ein stimmiges Gesamtbild im Rahmen der Preisklasse.


Ausstattung und Antriebssystem

Verbaut ist ein Shimano 1×12 Setup im Mullet-Stil mit 10–51 Kassette und 40er Kettenblatt. Es handelt sich dabei um eine Mischung unterschiedlicher Gruppenstufen, was im Gravelbereich mittlerweile üblich ist.

Im Fahrbetrieb zeigt sich die Schaltung präzise, aber mit einem etwas „mechanischeren“ Charakter als klassische Road-Gruppen wie 105 oder Ultegra. Die Schaltvorgänge sind nicht butterweich, dafür aber direkt und zuverlässig.

Die große Übersetzungsbandbreite ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Meine ursprüngliche Sorge waren zu große Gangsprünge. In der Praxis hat sich das jedoch nicht bestätigt. Gerade auf welligen Strecken und im gemischten Einsatzprofil ist die Abstufung sogar sinnvoll, weil man weniger dazu neigt, permanent zwischen benachbarten Gängen zu pendeln.

Für schnelle Gruppenausfahrten ist dieses Setup allerdings nur bedingt ideal. Dort fehlt teilweise die feine Abstimmung im oberen Geschwindigkeitsbereich. Für meinen Einsatzzweck – Touren, Gravel, Pendeln – ist es dagegen sehr passend.

Cube Nuroad C62 One 2026

Die Bremsen arbeiten unauffällig und zuverlässig. Die Bremsleistung ist jederzeit vorhanden, ohne Überraschungen. Lediglich bei Nässe tritt gelegentlich leichtes Quietschen auf, was im Gravelbereich aber kein ungewöhnliches Verhalten ist.

Die Laufräder selbst fallen eher in die Kategorie „solide Arbeitspferde“. Nichts Auffälliges, nichts spektakuläres. Für mich als relativ großen Fahrer sind Nuancen im Gewicht ohnehin weniger relevant als Stabilität und Laufruhe – und genau das liefern sie.

Bei den Reifen kommt ein Schwalbe G-One R Pro in 45 mm zum Einsatz. Dieser Reifen ist für mich einer der wichtigsten Faktoren im Gesamtsystem. Er bietet einen sehr gelungenen Kompromiss aus Grip auf Schotter und überraschend gutem Rollverhalten auf Asphalt. Aktuell fahre ich mit Schlauchsystem, vorne bereits auf TPU umgestellt nach einem ersten Platten. Hinten wird dieser Umbau noch folgen.

Der Antrieb wurde bei mir zusätzlich angepasst: Kette auf XT-Niveau gewechselt und heißgewachst. Hintergrund ist weniger Performance als vielmehr Haltbarkeit und Korrosionsverhalten bei feuchten Bedingungen.


Fahrverhalten auf der Straße

Auf Asphalt zeigt sich das Bike insgesamt neutral und konstant. Es ist kein Rennrad – und es will auch keines sein. Diese Klarstellung ist wichtig, weil sie die Erwartungshaltung sauber einordnet.

Die Geometrie erinnert eher an Endurance-Rennräder als an klassische Gravel-Race-Bikes. Das Fahrverhalten ist entsprechend ruhig und berechenbar. Lange Kettenstreben tragen zusätzlich zur Stabilität bei, machen das Bike aber minimal träger im Antritt.

Diese leichte Trägheit hat jedoch auch Vorteile. Bei hohen Geschwindigkeiten und auf schlechterem Asphalt läuft das Bike sehr stabil. Gerade in Abfahrten wirkt es kontrolliert und vertrauenerweckend.

Die Effizienz hängt stark vom Reifensetup ab. Mit 45 mm Gravelreifen und entsprechendem Druckniveau geht spürbar Energie verloren, insbesondere im Wiegetritt. Hier wird klar: Das Setup ist nicht auf maximale Geschwindigkeit optimiert.

Mit schmaleren Reifen im Bereich 35–40 mm würde sich das Einsatzprofil deutlich Richtung Langstrecke und Brevets verschieben. Genau dort sehe ich auch die eigentliche Stärke dieser Plattform im reinen Straßeneinsatz.

Insgesamt bleibt das Fazit auf der Straße nüchtern: solide, kontrolliert, effizient genug – aber kein Ersatz für ein reines Rennrad.


Offroad-Performance

Im Gelände zeigt das Bike seine eigentliche Stärke. Auf festem Schotter und leichten Trails fährt es sehr souverän. Das Handling ist direkt, ohne nervös zu wirken. Es vermittelt ein gutes Maß an Kontrolle und Balance.

Gerade auf schnellen, kompakten Gravelstrecken fühlt sich das Bike am wohlsten. Hier kann es Geschwindigkeit aufnehmen und gleichzeitig Stabilität behalten.

Die 45 mm Reifen spielen ihre Stärken in diesem Bereich voll aus. Sie bieten ausreichend Grip auf trockenem Schotter und gleichzeitig noch überraschend gute Rolleigenschaften auf festen Untergründen.

Cube Nuroad C62 One 2026

Auf raueren Strecken zeigt sich ein differenziertes Bild. Das Bike kommt mit ruppigen Schlägen gut zurecht, bleibt aber klar im Bereich eines sportlichen Allrounders. Technisch anspruchsvolles Gelände oder sehr lose, steile Passagen sind nicht sein Terrain. Dort verlangt das Bike deutlich mehr Aufmerksamkeit vom Fahrer.

Die Geometrie unterstützt dieses Verhalten. Sie ist stabil genug für schnelle Passagen, aber nicht aggressiv genug für extremes Offroad-Fahren.

Unterm Strich ist es kein kompromissloses Offroad-Bike, sondern ein schneller Gravel-Allrounder mit klarer Ausrichtung auf kontrollierte Geschwindigkeit.


Alltag und Vielseitigkeit

Im Alltag nutze ich das Bike eher selektiv. Pendeln findet bei mir nur bei gutem Wetter statt, typischerweise auf etwa 35 km Landstrecke pro Richtung. Stadtanteil spielt dabei kaum eine Rolle.

Die Strecken ähneln dabei stark meinen Tourenfahrten, was das Bike sehr homogen einsetzbar macht.

Bikepacking ist grundsätzlich möglich und durch die vorhandenen Montagepunkte gut unterstützt. Allerdings sehe ich das Bike eher im leichten, sportlichen Setup. Volle Beladung wäre technisch möglich, entspricht aber nicht meiner Nutzungsidee.

Die Vorbereitung ist dennoch sauber gelöst: Schutzblech- und Gepäckträgeroptionen sind vorhanden, die Gabel ist entsprechend vorbereitet, und auch die Integration von Zubehör ist problemlos möglich.

Im Wartungskontext spielt der 1x-Antrieb seine Vorteile aus. Weniger Komplexität, weniger Pflegeaufwand, einfache Reinigung.

Insgesamt bleibt das Bike für mich klar im Bereich „Spaß- und Sportgerät“ verortet. Für ganzjährigen Pendelbetrieb würde ich eher zur FE-Version greifen.


Stärken und Schwächen

Die größten Stärken liegen klar in der ausgewogenen Geometrie, der optisch und funktional gelungenen Rahmenform sowie dem hohen Komfort am Heck. Dazu kommt ein sehr starkes Preis-Leistungs-Verhältnis, das in dieser Klasse nicht selbstverständlich ist.

Positiv überrascht hat mich vor allem, wie gut der Komfort insgesamt funktioniert – insbesondere im Zusammenspiel aus Sattel, Sattelstütze und Reifen.

Auf der Schwachseite steht vor allem ein klapperndes Geräusch im Bereich der internen Leitungsführung, das sich im Tretlagerbereich bemerkbar macht. Hier ist eine einfache Dämmung als Lösung denkbar.

Zweiter Punkt ist die Kassette mit komplettem Stahlaufbau, die eine hohe Massenträgheit erzeugt. Das zeigt sich insbesondere im Nachlauf des Freilaufs. Eine XT-Kassette mit Aluminiumanteil in den großen Ritzeln wäre hier eine sinnvolle Optimierung.


Fazit

Das Cube Nuroad C62 One 2026 ist kein Spezialist, sondern ein sehr konsequenter Allrounder. Es richtet sich klar an sportliche Fahrer, die keine extremen Spezialisierungen suchen, sondern ein vielseitiges, funktionales und zuverlässiges Gravelbike.

Cube Nuroad C62 One 2026

Ideal ist es für Einsteiger und pragmatische Fahrer ohne Statusdenken, die ein Bike für Straße, Gravel und Touren suchen. Weniger geeignet ist es für reine Racer oder sehr offroad-orientierte Bikepacker.

In meinem Fall wurden die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern eher übertroffen – insbesondere in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich würde das Bike in dieser Konfiguration wieder kaufen. Und genau das ist vermutlich das stärkste Urteil, das man einem Fahrrad in dieser Kategorie geben kann: Es funktioniert so gut im Alltag, dass es keinen Anlass gibt, grundsätzlich etwas anderes zu suchen.


Cube Nuroad C:62 ONE Rennrad Grün Modell 2026
Cube Nuroad C:62 ONE Rennrad Grün Modell 2026
1.999,00€
Fahrrad-xxl.de

Finde weitere Gravel Bike Deals

Schreibe einen Kommentar