Lapierre Crosshill CF 6.0 (2025)
Mein erster Eindruck
Als ich das Lapierre Crosshill CF 6.0 für das Modelljahr 2025 zum ersten Mal auf Fotos und in Spezifikationslisten sah, war mein Gedanke: „Endlich ein Gravelbike, das sich traut, anders zu sein.“ Die Linienführung des Rahmens, die Farbgebung Strong Ruby Red und die sichtbare Liebe zum Detail – etwa bei der Geometrie und den Komponenten – strahlen Qualität aus. Es wirkt nicht wie ein generisches Gravelrad, sondern wie ein Stück französisches Design mit Anspruch. Ich hatte sofort das Bild vor Augen: lange Touren über Schotterpisten, schnelle Übergänge auf Asphalt, und eine Maschine, die vor allem dort Bestand hat, wo Komfort und Performance Hand in Hand gehen.
Ausstattung & technische Daten
Hier ein Überblick über das, was das Lapierre Crosshill CF 6.0 tatsächlich bietet – basierend auf offiziellen Herstellerangaben und zuverlässigen Händlerquellen:
Rahmen / Gabel
- Rahmenmaterial: Carbon („UD SL“) sowohl für Rahmen als auch Gabel.
- Starrgabel – keine Federung beim „Basis“-CF 6.0 (die “S”- und “AXS”-Varianten haben andere Spezifikationen)
Schaltung / Antrieb
- Variante: 2×12 Gänge mit Shimano GRX RX820.
- Kettenblätter-Kombination: 48-31T. Kassette: 11-36T.
- Kurbelvarianten in Abhängigkeit von Rahmengröße: z. B. 170 mm (XS/S), 172,5 mm (M,L), 175 mm (XL)
Bremsen / Räder / Reifen
- Hydraulische Scheibenbremsen von Shimano GRX ST-RX820, Scheiben vorne & hinten je 160 mm.
- Laufradsatz: DT Swiss G1800 Spline. Reifen: WTB Raddler TCS LIGHT 700×44C, 60 TPI.
Cockpit / Komponenten / Ergonomie
- Lenker: Lapierre Alloy Gravel Bar
- Vorbau: interner Kabelzug, unterschiedliche Längen je nach Rahmengröße.
- Sattel und Sattelstütze: Fizik Terra Argo X7; Stütze ohne Federung bei Standard-CF 6.0, Länge ~350 mm; Durchmesser 27,2 mm.
Sonstige Ausstattungsmerkmale
- Rahmenform, die Komfort zulässt ohne übertrieben weich zu sein; gute Eignung für unterschiedliche Untergründe.
- Möglichkeit, Schutzbleche anzubringen sowie Gepäckösen für Bike-Packing, zumindest an der Gabel und am Oberrohr.
- Kompatibilität mit 45-mm Reifen laut Hersteller für einige Varianten; das Standard-RX820-Modell kommt mit 44C Reifen.
Negative Gesichtspunkte
Auch wenn das Crosshill CF 6.0 viele starke Seiten hat, gibt es ein paar kritische Punkte, die man nicht übersehen sollte – insbesondere wenn man technisch affin ist oder höchste Performance in speziellen Disziplinen erwartet:
- Mechanische Schaltung + vollständige Integration? Ein Aspekt, den man beim Crosshill CF 6.0 kritisch betrachten sollte, betrifft die Kombination aus mechanischer Schaltung und komplett integrierter Kabelführung. Was optisch sehr clean wirkt, kann in der Praxis Nachteile mit sich bringen: Die Montage ist deutlich aufwändiger, gerade wenn man Züge oder Leitungen wechseln muss. Mechanische Schaltzüge sind zudem empfindlich gegenüber engen Biegeradien, die durch die Integration entstehen können – das führt in manchen Fällen zu etwas schwergängigeren Schaltvorgängen oder leicht verzögerter Performance im Vergleich zu elektronischen Systemen. Wer Wert auf maximale Servicefreundlichkeit und dauerhaft butterweiche Schaltvorgänge legt, könnte hier also kleine Abstriche machen müssen.
- Marktabdeckung / Ersatzteile in Deutschland: Lapierre ist nicht so allgegenwärtig wie Marken wie Trek, Giant oder Specialized hierzulande. Ersatzteilversorgung oder Service könnten – je nach Region – etwas schwieriger sein.
Positive Eigenschaften
Hier zeigt das Crosshill CF 6.0 wirklich, was es kann. Für mich sind das die Stärken, die es von vielen Gravelbikes abheben – und warum ich glaube, dass es ein sehr attraktives Rad ist.
1. Vielseitigkeit & Komfort
Die Kombination aus Carbonrahmen mit Starrgabel ermöglicht eine erstaunliche Steifigkeit und zugleich Komfort. Der 3D-Tubular-Aufbau bei höherwertigen RX-Modellen sorgt dafür, Vibrationen angenehm zu filtern (z. B. über Kies, Schotter) ohne dabei zu weich für ambitioniertes Fahren zu sein. Die Rahmengeometrie lässt sowohl schnelle Fahrten auf Asphalt als auch längeres Gelände zu – kein reines Race-Rennrad, aber auch kein langsames Tourenrad.
2. Hochwertige Ausstattung ab Werk
Man bekommt beim Standard CF 6.0 eine sehr gute Schaltgruppe (Shimano GRX RX820, 2×12), ordentliche Reifen (44C), zuverlässige DT Swiss G1800 Räder – Komponenten, die sich nicht verstecken müssen. Die Bremsen sind hydraulisch, was besonders bei wechselnden Witterungsverhältnissen ein großer Vorteil ist. Das gesamte Setup wirkt durchdacht – kein unnötiges Gimmick, sondern Komponenten, die man tatsächlich regelmäßig braucht und die im Gelände funktionieren.
3. Verarbeitung & Details
Lapierre hat viele Details berücksichtigt: interne Zugführung, Kompatibilität mit Schutzblechen, Befestigungsmöglichkeiten für Gepäck – Dinge, die einem später auf Langstrecken oder bei Bikepacking wichtig sind. Der Rahmen wirkt solide und edel zugleich; die Optik wirkt frisch und individuell, besonders in Farben und Finish.
4. Der Exotenfaktor in Deutschland
Hier liegt eine besondere Stärke: Das Crosshill CF 6.0 ist kein Bike, das an jeder Ecke zu sehen ist. Lapierre ist in Deutschland zwar vertreten, aber nicht dominant. Wer also etwas Besonderes gesucht, das aus dem gewohnten Spektrum herausragt, bekommt hier genau das. Es hat Stil, Herkunft, und das gewisse Etwas – ein Gravelbike, das nicht bloß “dasselbe wie alle anderen” ist.
5. Handling & Performance auf der Straße & Gravel
Mit dem 2×12-Setup und den 48-31 / 11-36 Kombinationen bekommt man eine breite Übersetzungsbandbreite. Das heißt: Steile Anstiege sind machbar, Tempo auch, und das Rad reagiert agil. Die Reifen bieten genug Volumen, um Komfort und Grip in losem Terrain zu gewährleisten, ohne auf Asphalt übermäßig zu widerstehen. Die Bremsanlage gibt Sicherheit in Abfahrten und bei wechselnden Bedingungen.
Fazit & Zielgruppen
Für mich ist das Lapierre Crosshill CF 6.0 (2025) ein überzeugendes Gravelbike, das viele gute Eigenschaften in sich vereint und dabei eine recht seltene Kombination bietet: Performance, Komfort, Hochwertigkeit und ein gewisses Maß an Einzigartigkeit.
Es ist geeignet für:
- Ambitionierte Gravelbiker, die regelmäßig über diverse Untergründe fahren: Asphalt, Forstwege, Schotter, gelegentlich technische Passagen.
- Fahrer, die Wert legen auf Wohlfühlfaktor auch über längere Strecken – nicht nur auf Geschwindigkeit, sondern auf Ausdauer und All-Round Performance.
- Bikepacking-Freunde, die gelegentlich Gepäck mitnehmen wollen; und die Ausstattungsdetails wie Schutzblech-Kompatibilität und Ösen schätzen.
- Leute, die etwas Besonderes wollen: Wer sich abheben möchte von den üblichen Marken, für denjenigen kann das Crosshill CF 6.0 ein Statement sein – nicht nur Radsport, sondern auch Stil.
Es ist weniger ideal für:
- Rennradfahrer, deren Fokus pur auf Speed, Gewicht und minimalem Luftwiderstand liegt;
- die, die maximale Komponenten-Performance wollen (z. B. elektronische Schaltung, noch leichtere Komponenten);
- jene, die überwiegend auf Asphalt unterwegs sind und feinste Reifen bevorzugen.